Die Freilernerzeitschrift gibt es schon seit über 20 Jahren. Sie ist als Plattform für Familien, Initiativen und Vereine, die sich mit selbstbestimmten und selbstorganisierten Bildungsformen beschäftigen, entstanden. Es sind viele Familien dabei, die die Schulpflicht verweigern oder im Ausland schulfrei leben, sowie auch freie aktive und demokratische Schulen und junge Erwachsene, die sich alternative Bildungsprojekte organisieren. Wir bieten Raum für eine breite Vielfalt und stehen für Pluralität, Offenheit und Toleranz, doch wir stellen uns deutlich gegen jegliche diskriminierende, gewaltverherrlichende und nationalistische Ansätze und Ideologien.
Die Zeitschrift erscheint vier Mal im Jahr als gedruckte Ausgabe und ist auch digital als PDF erhältlich. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, kann dies mit einem Förderabonnement tun. Auch gibt es die Möglichkeit, in der Zeitschrift Kleinanzeigen und Werbeanzeigen zu schalten.
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Artikel lesen:

»Auch hier lernen wir frei«

Filmtipp: »Schooling the World«
Erschienen 2015 in Heft Nr. 67 – Entschulung der Gesellschaft.
Wie lernen Kinder für ihre Zukunft? Wer bestimmt wie und was in Schulen gelehrt wird? Und welchen Einfluss hat dies auf die Kultur(en) und Entwicklung vor Ort?
Diesen Fragen, und noch so manchen anderen, geht Carol Black in ihrem Dokumentarfilm »Schooling the World« nach.
Der Film zeigt am Beispiel von Ladhak in Indien, welche Auswirkungen die Ausbreitung des westlichen Schulsystems auf die örtliche Bevölkerung und Kultur hat. Den Kindern wird in den Schulen dort (oft Internate) auf kolonialistische Art und Weise eine ihnen fremde Kultur übergestülpt, während die eigene Kultur mit ihrem altbewährten Wissen, Traditionen und Sprache degradiert wird. Auch die Verbindung zur Natur und zu dem Land, das sie bewohnen und bewirtschaften, geht dabei verloren. Die Generationen werden untereinander zunehmend entfremdet und die Kinder und Jugendlichen laufen nach Verlassen der Schule einem ihnen eingepflanzten aber meist unerreichbarem Ideal der westlichen reichen Konsumgesellschaft hinterher und fühlen sich gleichzeitig entwurzelt und orientierungslos.

Ein Plädoyer für Aktivismus
Es ist tagtäglich unsere Entscheidung, für gesellschaftspolitische Veränderung aktiv zu werden, Missstände zu erkennen und Alternativen zu leben. Aus dieser Entscheidungsmacht resultiert Verantwortung. Nehmen wir diese Verantwortung an und gehen gemeinsam Schritte in ein solidarisches, zukunftsfähiges Miteinander!
Erschienen 2015 in Heft 66 – Entscheidungen.
Ohnmacht lässt uns stagnieren
Aus gesellschaftlichen Missständen resultieren oft Wut und Ohnmacht – diese lassen uns stagnieren. Wir sehen keine Auswege, keine Utopien am Horizont. Wie können wir aus dieser Verzweiflung, dieser Hoffnungslosigkeit, Motivation schöpfen?
Mich beflügelt der Gedanke, Wut und Ohnmacht in etwas Positives zu wandeln und die nötige Veränderung durch das Wissen um Alternativen zu gestalten. Wir können lernen, uns außerhalb der gewohnten Denkmuster zu bewegen und nicht nur das Schreckliche zu sehen, sondern zeitgleich die mögliche Alternative.

Abitur – ein bewusstes und freiwilliges Unterfangen
Ich bin 19, bald 20, lebe in Frankfurt am Main und habe gerade mein Abitur bestanden. Ein bewusstes und freiwilliges Unterfangen, auf einem nicht immer geradlinigen Weg. Ich möchte über diesen Weg berichten, über größere und kleinere Hürden in fünfeinhalb Jahren Schullaufbahn, über die Entscheidung für das Abitur, die immer wieder getroffen werden musste.
Erschienen 2014 in Heft Nr. 64 – Freiräume.
Doch von Anfang an: Im Einschulungsalter beschlossen meine Eltern mich nicht auf eine der nahegelegenen Grundschulen zu schicken, sondern mir eine Unschooling-Kindheit und damit ein Leben und aufwachsen ohne Zwänge und sozialen Druck zu ermöglichen. Doch dies nur zur Erläuterung; diese Zeit ist ein anderes Kapitel und gehört nicht in einen Artikel über mein Zeugnis der Reife. Ich habe immer wieder das Gefühl, ein Doppelleben zu führen zwischen einer ganz normalen Schülerin und meiner Freilernerinnenexistens. Gerade über diesen Zwiespalt möchte ich erzählen und wie es immer mal wieder zu Streitigkeiten zwischen diesen beiden Ichs gekommen ist.

Mein Schatz, unser Schatz: Liliths Schatz.
Warum Lilith Deutsch lernte
Stefanie Ettmann, die das Bilderbuch »Liliths Schatz – Eine Geschichte über die Sexualität, die Lust und den Menstruationszyklus« aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen und herausgebracht hat, über ihre Motivation dafür.
Erschienen 2015 in Heft Nr. 67 – Entschulung der Gesellschaft.
Am Anfang war das Wort. Ein paar kleine Worte waren da, ausgesprochen von einem kleinen Jungen. Ich muss etwa sechs Jahre alt gewesen sein, vielleicht fünf, vielleicht sieben. Wir spielten in unserem Klassen- oder Gruppenraum in einer Ecke, die Fenster waren geöffnet, die Sonne schien ins Zimmer, es wehte ein angenehm leichter Frühsommerwind – und einer der Jungen trat einem anderen zwischen die Beine. Nicht fest, aber gezielt. Mit großer Geste, theatralisch, begleitet von wildem Kampfgeächze – und der andere parierte blendend, krümmte und wand sich mit ebenso großer Geste, stöhnte und schrie ebenso theatralisch – so laut, wie es die Härte des Auftreffens des fremden Fußes zwischen seinen Beinen unmöglich rechtfertigen konnte; das war mir als durch ähnliche Gefechte mit meinen Schwestern kampferprobtes Kind absolut klar. Und dann sagte eines der anwesenden Mädchen, beeindruckt ob der Dramatik der Szene oder einfach aus purer Kampfeslust, so etwas wie: »Trau‘ dich das mal bei mir!« Woraufhin der sich der Würde seines Amtes augenscheinlich sehr bewusste Aggressor verächtlich das Gesicht verzog: »Bei Mädchen geht das gar nicht. Die haben da ja nix.«

„Wem gehört die Schule?“ oder: Über die Aneignung der Schule durch den Staat
Ein historischer Rückblick auf die Anfänge im 19. Jahrhundert
Erschienen 2013 in Heft Nr. 59 – Visionen – und alte Geschichten.
»Die Schule ist ein raffiniertes Herrschaftsmittel des Staates, geschaffen (bzw. aus ähnlichen Ansätzen konkurrenzgefährlicher Stellen – Kirche, Städte, Private – usurpiert), um von Kindesbeinen an alle Staatsangehörigen an Gehorsam zu gewöhnen, ihnen die Suggestion von der Notwendigkeit des Staates in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, jede Emanzipationsidee im Keime zu lähmen, die Entwicklung ihres Denkens in wohlgehegte Bahnen zu lenken und sie zu bequem regierbaren, demütigen Untertanen zu drillen«
(Borgius 1930, S. 7).
Schule und Herrschaftsrechte: Verschulung und Verstaatlichung
Die in den letzten Jahren zunehmend breit geäußerte Kritik an der staatlichen Regelschule bringt ein pädagogisches und politisches Misstrauen zum Ausdruck, das sich sowohl an der Verfasstheit von Staatsschule, d.h. an der rechtspolitischen Dimension Staat-Gesellschaft-Schule, als auch an der Schulwirklichkeit, d.h. an der un- oder parapädagogischen Funktion schulischen Lernens orientiert.
Dieses aktuelle Misstrauen hat in Deutschland einen ausgeprägten historischen Hintergrund, der sich bis in das 19. Jahrhundert verfolgen lässt und in diesem Sinne nicht neu ist. Vor etwa 200 Jahren setzte in der europäischen Schulgeschichte ein Prozess der Säkularisierung ein, der zwei Aspekte von Bildung in den Vordergrund rückte, die bis dato nahezu unbekannt waren und bis heute große Wirkung auf die schulische Organisation von Bildung haben: Einmal ist dies der Prozess der Verschulung, d.h. der Vorgang zunehmender Bürokratisierung von Bildung sowie der Prozess der Verstaatlichung, der eine Neudefinition und -legitimation von Bildung als eine staatliche Pflichtaufgabe vornahm.
Diese beiden Prozesse sind die vielleicht markantesten Eckpunkte der neueren Schulgeschichte, die bis heute Bildung bestimmen und ihre Struktur determinieren.